Der Stolz in der Stimme ist unverkennbar, wenn Hans-Peter
Klüger die Namen der Besucher Revue passieren läßt: Ob
Volkswagen, Opel, Mercedes-Benz, BMW, Volvo oder Ford, alle arbeiten mit
unseren Anlagen, alle waren schon einmal hier in Augsburg."
Was die Elite der Automobilfertiger nach Augsburg zu Hans-Peter
Klüger reisen läßt, ist rasch beschrieben: Der Diplom-Ingenieur
schult, testet und plant den Einsatz von Feld- und Prozeßbussystemen bei
der KUKA Schweissanlagen GmbH, einem Unternehmen mit über 800
Mitarbeitern, das der gesamten Automobilindustrie die benötigten
Schweißanlagen fertigt. Sein wichtigstes Werkzeug bei seiner
Tätigkeit: eine Demo-Zelle zum automatisierten Schweißen. Sie zeigt
anschaulich, wie wendig und zuverlässig Roboter arbeiten können.
Die Roboter werkeln in der Demo-Zelle
Ein potentieller Anwender kann in Augsburg schon vorab den
Schweißroboter in Aktion erleben. Er kann ihn persönlich in
Augenschein nehmen, kann ihn Arbeiten ausführen lassen und Testläufe
fahren. Hier stehen drei Industrieroboter, ein Hubfahrwerk, ein Hubtisch
und diverse dezentrale E/A. Und all das ist komplett vernetzt," umreißt
Klüger den Aufbau der Demozelle für die
Schweißpräsentationen.
Es ist eine Standard-Schweißzelle, mit der Kuka selbst
auch eigene Tests für Zangen und Verfahren ausführt. Derzeit arbeitet
die Anlage mit speicherprogrammierbaren Steuerungen von unterschiedlichen
Herstellern, aber Kuka ist derzeit auf der Suche nach einem softwarebasierten
Steuerungssystem, um die Anlage noch weiter standardisieren zu können und
um sie noch flexibler nutzen zu können. Klüger: Wir wollen von
den Standard-SPS wegkommen. Es soll hin zur Kuka-spezifischen SPS gehen." Und
Hans-Peter Klüger zeigt den künftig bei Kuka geplanten Weg auf:
Wir glauben, daß der Weg hin zur PC-basierten SPS geht. Hier
möchten wir mit PC-Worx von Phoenix Contact erste Erfahrungen
sammeln."
Modular gehts auf Maß
PC-Worx ist ein Komplettsystem mit Hard- und Software. Phoenix
Contact hat im modularen Softwarepaket verschiedene Software-Standards wie IEC
1131 und Windows zu einem zusammenhängenden Werkzeug integriert. Diese
Software sichert die durchgängige Projektierung , Programmierung und
Datenhaltung sowie eine durchgängige Kommunikation. Um die Daten gemeinsam
nutzen zu können, ist eine gemeinsame Datenbasis vorhanden, so daß
der Anwender für neue Programme vorhandene Daten wiederverwenden kann.
Aufwendige und fehleranfällige Mehrfacheingaben entfallen.
Der Anwender kann für seine Arbeit drei Werkzeuge nutzen.
Zum einen System-Worx zum Planen, Parametrieren und Diagnostizieren des
gesamten INTERBUS-Netzwerks und einzelner Teilnehmer. Zum zweiten Programm
Worx, die Software für die IEC 1131-gerechte Programmierung von
Steuerungsprogrammen und als drittes Werkzeug Graph Worx für die
Visualisierung in der Leitebene oder zum Darstellen von Signalzuständen in
einer Bedien- und Beobachtungsstation. PC Worx ist zudem Bestandteil des
kompletten, offenen und durchgängigen Automatisierungskonzeptes Open
Control. |
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Es arbeitet so wie ein Client/Server-Modell. Wir haben
drei Clients installiert: für die SPS, zum Visualisieren und für das
Bussystem. Darunter sitzt die gemeinsame Datenbasis". Und Klüger weiter:
Zu diesem gesamten Engineering-Paket gehört ein Coprozessor-Board,
das im PC steckt, darauf sitzt ein 486DX-100-MHz-Prozessor. Auf dem PC
läuft das Echtzeitbetriebssystem Proconos, das eigentlich die SPS ist.
Dieses Coprozessor-Board läßt sich auch mit einer 5-V-Spannung
versorgen und stellt so eine eigenständige SPS dar."
Standards senken Kosten
Noch testen die Augsburger das ganze Paket. Wir sind jetzt
in der Beta-Phase", merkt Klüger an, in einem halben bis dreiviertel
Jahr ist die Sache abgeschlossen." Erste Erfahrungen mit dem Einsatz von
PC-Worx liegen bei KUKA vor. Die Augsburger konnten die Hardware-Kosten senken,
weil PC-basierte Steuerungen mit preiswerten Standardkarten realisierbar sind.
Als wichtigster Nutzen wird jedoch erwartet: wesentlich geringere
Engineering-Kosten. Auch hierbei spielt die Standardisierung die große
Rolle.
Die Idee, die bei uns dahintersteckt", merkt Klüger
an, ist leicht beschrieben. Wir haben es bisher beim Bau unserer
Schweißlinien mit unterschiedlichen SPSen zu tun. Aufgrund der
unterschiedlichen Programmiersprachen mußten wir für jedes Projekt
neue Programme schreiben, obwohl wir bereits standardisierte Funktionsbausteine
hatten - leider aber meist im falschen SPS-Dialekt. Durch den Einsatz eines IEC
1131-Standardproduktes und des PC können wir nun Bausteine standardisieren
und dann immer überall einsetzen. Und da erwarten wir uns im
Engineering-Bereich enorme Einsparungen."
All das gilt zugleich auch für die Visualisierungskosten,
denn man will künftig überall dort, wo es möglich ist,
Standardvisualisierungen erreichen: Wir wollen von der Sprachenvielfalt
der Speicherprogrammierbaren Steuerung sowie der Vielfalt von
Visualisierungssystemen wegkommen. Es soll hin zur KUKA-spezifischen
Programmier- und Bedienoberfläche gehen." Für Klüger liegt die
Erleichterung darin, daß standardisierte Steuerungsbausteine und
standardisierte Visualisierungsbausteine modular kombiniert werden
können.
Der Trend: Plug & Play
Künftig die Gesamtkosten für die Anlage noch weiter zu
senken, daran geht kein Weg vorbei. Ob Kosten für die Vernetzung oder
Inbetriebnahme, Standards tragen stets dazu bei, die Kosten zu senken.
Spürbare Kostenspareffekte sieht Klüger denn auch beim Realisieren
von Kommunikationswegen der einzelnen Zellen-SPS untereinander: Wir
wollen hier einfache Plug & Play-Netzwerke verwenden." Stillstandszeiten,
gerade in der Automobilindustrie, verursachen rasch Kosten in der
Größenordnung von 100 000 Mark und mehr. Hier gilt es, zum einen
Stillstand vorausschauend zu vermeiden und zum anderen, wenn die Anlage schon
steht, daß sie rasch wieder anläuft. Aufgrund von statistischen
Auswertungen läßt sich mit PC Worx die Qualität des Netzes
analysieren. Wenn abzusehen ist, daß manche Teilnehmer häufiger
Fehlermeldungen verursachen, kann der Anlagenbetreiber diese vorbeugend
austauschen.
Bei allem Fortschritt, der sich per Software realisieren
läßt, faszinieren die Ferndiagnose und das Fernwirken den
Anlagenbauer besonders. Wer, wie Kuka, Anlagen in der ganzen Welt stehen hat,
der weiß, was es bedeutet, sich von Augsburg aus in Anlagen einloggen zu
können. Nach China ist man zum Beispiel drei Tage unterwegs",
weiß Klüger. Bei der klassischen SPS gibt es bisher die
Möglichkeiten des Eingreifens per Telefon nicht. Ein PC läßt
sich aber jederzeit ans Modem oder ans Internet anschließen: Wir
erwarten uns hier ebenfalls starke Kosteneinsparungen."
Kuka hat die Möglichkeiten der Ferndiagnose schon innerhalb
des Werkes getestet und sogar mit zufriedenstellenden Ergebnissen. Doch das
größte Problem sieht Klüger in der Sicherheit der
Netzverbindung und warnt vor allzu früher Euphorie, denn er kennt seine
Kunden: Es ist zwar schön, wenn man sich aus der Ferne in die Anlage
einloggen kann, aber kein Anlagenbetreiber wird zulassen, daß jeder von
extern auf seine SPS zugreifen kann. Hier müssen also ganz knallharte
Sicherungsmechanismen eingebaut werden."
Mit Dipl.-Ing. Hans-Peter Klüger, bei der KUKA
Schweissanlagen GmbH in Augsburg zuständig für Feld- und
Prozeßbus-Systeme sowie Schulung und Test, sprach Reinhard Kluger.
Aus der deutschen Fachzeitschrift Praxis Profiline 1/97
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